Verhaltensmedizin und Physiotherapie beim Hund in der ganzheitlichen Tierarztpraxis
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Das Konzept der „Praxis für Hunde - Verhaltensmedizin & Physiotherapie“ ist eine Kombination der Bereiche Verhalten - Mobilität - Tierschutz.
Als Tierärztin ist es mir wichtig, auf organische Ursachen von Verhaltensproblemen und Verhaltensstörungen zu achten und den Hund in seiner Gesamtheit zu sehen. In meiner Praxis werden mir häufig Fälle vorgestellt, in denen der Hund primär ein Verhaltensproblem zeigt, z.B. eine Geräuschphobie, also übermäßige Angst vor Geräuschen, wie Schüssen, Feuerwerk, etc.. Jedoch stellt sich im Laufe des Gesprächs und der Untersuchung heraus, dass der Hund zusätzlich gesundheitliche Probleme, wie beispielsweise Schmerzen im Bewegungsapparat, hat (siehe Fallbeispiel). Die Ursachen für Verhaltensprobleme können vielfältig sein. Daher lege ich großen Wert auf eine gründliche Anamnese mit einem ganzheitlichen Blick auf das Wohlbefinden des Hundes. Bei Verdacht auf Schmerzen im Bewegungsapparat führe ich immer eine Gangbildanalyse und eine ganzheitliche Untersuchung des Bewegungsapparates durch. Organische Ursachen für Verhaltensprobleme sind unter anderem dann wahrscheinlich, wenn eine Verhaltensänderung plötzlich eintritt und der Hund zuvor dieses Verhalten gar nicht oder nur in sehr abgeschwächter Form gezeigt oder sich eine rasante Verschlechterung eingestellt hat.
Der Bewegungsapparat ist der größte Schmerzgeber im Körper. Hierbei sind akute Schmerzen beim Hund meist auch für den Hundehalter leicht zu erkennen. Die Hunde stellen das Fressen ein, zeigen veränderten Harn- und/oder Kotabsatz, jaulen, lahmen und bewegen sich anders oder gar nicht mehr. Chronische Schmerzen hingegen sind nicht immer leicht zu erkennen und bleiben daher lange Zeit unbemerkt. Einziger Hinweis kann zum Beispiel ein verändertes Schlafverhalten sein. Den Hundehaltern fällt auf, dass ihr Hund vor allem nachts unruhig wird und ständig die Liegeposition ändert oder unruhig umherläuft. Dieses Verhalten kann durch einen sogenannten Ruheschmerz, also Schmerzen, die in Ruhe und im Liegen auftreten, hervorgerufen werden. Oder der Hund versucht durch seine veränderte Liegeposition eine schmerzende Körperstelle/ Muskulatur zu entlasten. Deutlicher merkt der Hundehalter, dass mit seinem Hund etwas nicht stimmt, wenn dieser sich nicht mehr gern oder gar nicht streicheln lässt, er sich zurückzieht oder sogar bei Berührungen droht oder zubeißt. Dies können Hinweise auf Schmerzen nicht nur im Bewegungsapparat sein. Plötzliche Beißvorfälle vor allem innerhalb des vertrauten Umfeldes sind ein häufiger Vorstellungsgrund in der ‚Praxis für Hunde - Verhaltensmedizin & Physiotherapie‘. Zeigt also ein Hund in meiner Praxis bei der Erstuntersuchung zur Verhaltenstherapie Hinweise auf Schmerzen im Bewegungsapparat, wird der Patient nicht nur verhaltenstherapeutisch behandelt, sondern bekommt zusätzlich Physiotherapie (Übersicht siehe Tabelle 1) und eine individuell auf ihn zugeschnittene komplementärmedizinische Medikation. Präparate, die ich im Bereich des Bewegungsapparates im Einsatz habe, sind:
- PetDolor®, sozusagen mein Basismittel in Kombination mit
- Rhus/Aconitum comp. PlantaVet bei Verdacht auf zusätzlich neuropathische Schmerzen
- Articulatio comp. PlantaVet und Disci comp. PlantaVet bei degenerativen Vorgängen –
- Cartilago comp. PlantaVet und Arnica e planta tota D5 PlantaVet bei akuten Zuständen.
Nach Besserung versuche ich von PetDolor® auf ArthroRegén® umzustellen.
- PlantaSil® setzte ich gerne zusätzlich bei Erkrankungen der Sehnen und Bänder ein.
Geräuschphobie und Schmerzen im Bewegungsapparat
Fallbeispiel:
Dieser Zusammenhang zwischen Schmerzen und einer gesteigerten Geräuschempfindlichkeit ist in der Humanmedizin bereits beschrieben. Eine Studie aus England zeigt diesen Zusammenhang auch bei Hunden, welchen ich aus meiner Erfahrung nur bestätigen kann.
Patient: 11-jährige, mittelgroße Mischlingshündin.
Vorbericht: Zunehmende Geräuschempfindlichkeit gegenüber Knallgeräuschen während des Sommers und bei Gewitter. Vorstellung in der ‚Praxis für Hunde - Verhaltensmedizin & Physiotherapie‘ im Herbst 2024.
Befunde: Die Gangbildanalyse zeigte Hinweise auf Probleme im LWS-, Hüft- und Kreuzbeinbereich. Bei der ganzheitlichen Untersuchung des Bewegungsapparates zeigte die Hündin eine Reaktion auf den Triggerpunkt LG03 (Bild 1), eine verquollene Hautfalte im Bereich der LWS und des Kreuzbeins, angespannte Rückenmuskulatur, Schmerzen bei der Flexion der Rute nach dorsal und hochgradig verzögerte Stellreflexe beider Hintergliedmaßen. Zudem war die Oberschenkelmuskulatur beidseitig atrophiert.
Diagnose: Geräuschphobie und Verdacht auf Cauda-Equina-Compressionssyndrom.
Therapie: Die Hündin kam für fünf Wochen einmal wöchentlich zur Physiotherapie in die Praxis für Hunde. Zusätzlich erhielt die Hundehalterin Hausaufgaben für zu Hause, die sie jeden zweiten Tag durchführen sollte (Bild 2). Während der drei ersten Termine in der Praxis wurde nur passive manuelle Therapie (Bild 3) durchgeführt und das Interferenzstrom-Gerät mit der Cauda-Equina-Anlage angelegt (Bild 4 und 5). Als komplementärmedizinische Medikation kamen PetDolor® für 10 Tage in Kombination mit Rhus/Aconitum comp. PlantaVet, für fünf Tage 1 x täglich oral, anschließend jeden 2. Tag, zum Einsatz. Nach den 10 Tagen PetDolor® konnte nach Anschlagen der Therapie auf ArthroRegén® umgestiegen werden. Nach erlangter Schmerzfreiheit kamen ab dem vierten Termin aktive Übungen für den Muskelaufbau hinzu (Bild 6).

Nach den Terminen in der Praxis für Hunde wurden die Massagen und die Übungen zum Muskelaufbau weiterhin von der Hundehalterin zu Hause durchgeführt. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen waren eine Gegenkonditionierung mittels Geräusch-CD.
Zu Hause wurde ein Rückzugsort für die Hündin geschaffen. Kurz vor Silvester 2024/2025 fand eine erneute physiotherapeutische Behandlung (passive und aktive Therapie und Interferenzstrom) in der Praxis statt.
Zusätzlich bekam die Hündin über einen Zeitraum von 5 Tage vor Silvester bis zwei Tage nach Silvester zur Unterstützung der Nerven alpha-casozeptin (Zyklene ®).
Verlauf: Die Hundehalterin berichtete von einem entspannten Silvester, wie sie es seit mehreren Jahren nicht mehr erlebt hatte.
Dr. Alexandra Knipf, Walddorfhäslach
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