Luft zum Atmen
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Chronische, primär nichtinfektiöse Atemprobleme bei Hund, Katze und Heimtier: Überblick und Behandlungsmöglichkeiten
Seit mindestens 1950 nimmt in entwickelten Ländern die Inzidenz typischer Infektionskrankheiten des Menschen wie Masern, Tuberkulose, Mumps u. ä. steil ab, während im gleichen Zeitraum die Inzidenz immunmediierter Erkrankungen deutlich zunimmt. Zu diesen Erkrankungen zählen z.B. Diabetes mellitus Typ 1, Morbus Crohn, Multiple Sklerose und auch Asthma. Unter den Hunden, Katzen oder Pferden beobachten wir zunehmend Allergien, Unverträglichkeiten, Atopien und auch Autoimmunerkrankungen, die früher so gut wie nie aufgetreten sind. Die Ursachen für diese inverse Beziehung zwischen Infektionskrankheiten und Immunstörungen sind vielfältig und nur zum Teil geklärt. Wesentliche Faktoren scheinen ein verändertes Darmmikrobiom und ein reduzierter früher und regelmäßiger Kontakt mit harmlosen Mikroorganismen zu sein. Anhaltende Immunherausforderungen durch Infektionserreger führen zu einem robusten Immunsystem, das bei harmlosen Allergenen nicht überreagiert.
Abwehrfunktionen der Atmungsorgane
Die Atemwege, also der Mund-/Rachen-/Nasenraum, die Luftröhre bis hin zu den Bronchien und Bronchiolen dienen als ein am Ende weitverzweigtes Röhrensystem dem Transport der Atemluft in die atmungsaktiven Alveolen und nach erfolgtem Gasaustausch wieder zurück. Mit der Atemluft können potenzielle Schadstoffe in den Körper gelangen, gegen deren Eindringen und für deren Abwehr die Atemwege über viele unterschiedliche Schutzmechanismen verfügen. Zu den physikalischen und mechanischen Abwehrkräften des Respirationstraktes zählen der turbulente Luftstrom durch die Nasenchonchae, der Verschluss der Stimmritze beim Schluckakt und der mukoziliäre Apparat. Beim Niesen erreicht der Luftstrom beim Menschen bis zu 160 km/h und befördert Schleim, Eiter oder belastende Stoffe nach draußen. Husten vermag den Luftstrom auf bis zu 1000 km/h beschleunigen.
Diffus verteilte Makrophagen, Neutrophile Granulozyten sowie antimikrobielle Substanzen von Phagozyten und Epithelzellen repräsentieren die angeborene Immunabwehr, ergänzt durch die adaptive Immunabwehr in Form der T- und B-Lymphozyten und den Immunglobulinen A.
Angeborene Belastungen und Umwelteinflüsse
Gelangen Fremdstoffe oder Infektionserreger in die Lunge, werden diese von Alveolarmakrophagen phagozytiert, abgebaut und über die Lymphbahnen bzw. über die mukoziliäre Clearance ausgeschieden. Die Effektivität aller Abwehrmechanismen ist abhängig von der Partikelgröße und Partikelqualität sowie der Effizienz der unspezifischen und spezifischen Immunabwehr. Bei Deformationen und „Missbildungen“ der Atemwege ist der Luftstrom erschwert und genannte Abwehrmechanismen vermindert wirksam. Betroffen sind die auf Kindchenschema gezüchteten Hunde-, Katzen- oder Kaninchenrassen, die schon im Normalzustand mit der Atmung Probleme haben und die im Krankheitsfall oder bei Belastungssituationen, z.B. hohen Umgebungstemperaturen, körperlichen Anstrengungen, Stress, oder Narkosen, zu absoluten Risikopatienten gehören.
Unphysiologische Umweltbelastungen wie z.B. Nanopartikel oder die über Geoengineering ausgebrachten Substanzen überfordern die Abwehrmechanismen und können das Auftreten chronischer Atemwegsbeschwerden begünstigen. Auch die zunehmenden Belastungen durch Mobilfunk, WLAN, Bluetooth und Elektromagnetische Felder (EMF) müssen diesbezüglich als Risikofaktoren gesehen werden. EMF wirken z.B. unkontrolliert auf spannungsgesteuerte Kalzium-Kanäle (Voltage-Gated Calcium Channels, VGCCs), wodurch mehr Kalzium in Zellen gelangt und je nach betroffener Zellart physiologische Reaktionen bewirkt, z.B. die Ausschüttung von Histamin aus Mastzellen, die Bildung von Neurotransmittern durch Nervenzellen oder die Abgabe proinflammatorischer Zytokine durch Abwehrzellen. Diese Auswirkungen sind nicht auf die Atemorgane beschränkt. Die unplanmäßige und dauerhafte Aktivierung dieser empfindlichen Schalter verursacht ein regelrechtes Chaos im Zusammenspiel der Zellen und Organe. Da wir und auch unsere Patienten diesen Einflüssen vielfach schutzlos ausgeliefert sind, können Adaptogene eingesetzt werden, um die Resilienz des Organismus zu erhöhen.
Allergien und Autoimmunerkrankungen durch Nitrotyrosin
Durch die nichtenzymatische Nitrierung von Blütenpollen und anderen Proteinen, ausgelöst durch Stickoxide, Ozon und Nitritradikale, entstehen Nitroproteine, die besonders starke Reaktionen des Immunsystems hervorrufen. Pflanzliche Proteine enthalten dann statt der natürlichen Aminosäure Tyrosin das chemisch modifizierte Derivat Nitrotyrosin, wodurch neue Epitope entstehen. Nitroproteine wurden in städtischer Luft sowie in Straßen-, Fenster und Luftstaub nachgewiesen.
By the way: Durch oxidativen und nitrosativen Stress können auch körpereigene Proteine modifiziert werden, wodurch deren Tertiärstruktur verändert und damit deren Funktion beeinträchtig wird. Auch im menschlichen und tierischen Körper wird Tyrosin nitriert. Die Strukturänderung verändert die Immunogenität der modifizierten Proteine durch Bildung neuer Epitope. Es wird vermutet, dass die Tyrosinnitrierung Ursache für Autoimmunerkrankungen sein kann. In entzündeten Geweben, in der Synovialflüssigkeit von Patienten mit rheumatoider Arthritis und im Serum von Patienten mit systemischem Lupus erythematodes wurden erhöhte Konzentrationen von Anti-Nitrotyrosin-Antikörpern nachgewiesen. In Tumoren führt die Nitrierung des Chemokins (C-C motif) ligand 2 (CCL2) zu einer Verhinderung der Infiltration antigenspezifischer T-Zellen in den Tumor.
Sind Impfungen Wegbereiter für Allergien?
Eine retrospektive Studie über 10 Jahre (Lyons-Weiler et al. 2020) zeigt auf, dass ungeimpfte Kinder im Vergleich zu geimpften Kindern deutlich seltener an allergischen Erkrankungen, Asthma oder Ekzemen erkranken. Diese Studie ist ohne wirkliche Begründung und gegen den Willen der Autoren zurückgezogen worden. Die korrigierte Veröffentlichung (Lyons-Weiler et al. 2021) ist verfügbar.
Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Atemnot als Ausdruck allergischer Erkrankungen
Neben den oben genannten Risikofaktoren gibt es noch viele weitere Ursachen oder Einflüsse für das Auftreten von Allergien. Chronischer Husten, ständiges Nasenlaufen und asthmatische Symptome sind meistens Ausdruck eines sogenannten TH-2 Shiftes. Nach Lehrmeinung sind Allergien unheilbar und deshalb nur symptomatisch zu behandeln. Diesem Credo schließe ich mich nicht an.
Was können wir also tun? Was sind die Stellschrauben, um das Leiden betroffener Tiere mindestens zu reduzieren, ohne den ohnehin geschwächten Patienten weitere Belastungen aufzubürden?
Ein großes Spektrum an Maßnahmen und Präparaten steht uns zur Verfügung, aus dem wir individuell zugeschnitten für den Hund mit idiopathischer Lungenfibrose, für die asthmatische Katze oder für das Kaninchen mit nichtinfektiöser Rhinitis ein geeignetes Therapieschema zusammenstellen können.
Allergien sind chronische Erkrankungen. Demnach sind auch bei Allergien Leberpräparate sinnvoll, um über die Leber die Immunreaktionen zu verbessern und gleichzeitig mögliche Stoffwechselbelastungen zu reduzieren. Zu denken ist an Hepar comp. PlantaVet und PlantaHepar®. Bitterstoffe der Leberheilpflanzen wirken über Bitterstoffrezeptoren immunstimulierend, wobei hier insbesondere das angeborene Immunsystem gefordert wird. Dadurch wird die TH-1 Antwort gestärkt und gleichzeitig die TH-2 Antwort gebremst.
In die gleiche Richtung geht der Einsatz von reinen Immunstimulanzien bzw. Immunregulatoren (Paraimunitätsinducer). Pet-M® PlantaVet und auch Coffea praeparata oral sind hier zu nennen. Pet-M® PlantaVet kann gut mit der Eigenbluttherapie kombiniert werden.
Wie weiter oben beschrieben können Adaptogene die Abwehrkraft gegen primär nichtinfektiöse Einflüsse verbessern und den Gesamtorganismus stärken. Klassisches Beispiel für diese Rubrik ist Quadruplex PlantaVet. Auch an Suprarenales comp. PlantaVet ist zu denken, um mit dem Einfluss auf die Nebennieren die Stressachse zu stärken. Mesenchym comp. PlantaVet räumt das Interstitium auf, indem der Lymphfluss angeregt wird. Auch die o.g. Leberpräparate zähle ich zu den Adaptogenen.
Das Darmmikrobiom hat über die Darm-Lungen-Achse direkten Einfluss auf das Lungen-Mikrobiom vice versa. Für Mensch und Katze ist nachgewiesen, dass Dysbiosen an einer der beiden Stellen Entzündungen und Dysbiosen an der anderen Stelle fördern. Um die Darmgesundheit von Kaninchen und Meerschweinchen zu verbessern und gleichzeitig den Atemapparat positiv zu beeinflussen kann das pelletierte Pferdepräparat PlantaPulmin® basic an diese Tiere unterstützend verfüttert werden. Bei allen Klein- und Heimtieren ist der Einsatz von Prä- und Probiotika oder spezieller Darmtherapeutika zu überlegen. Beispiele sind PlantaFerm®-KT, DiaRegén®, EnteroRegén oder auch Nux vomica comp. PlantaVet.
Um die oberen und unteren Atemwege ganz gezielt zu behandeln können wir aus einer breiten Palette potenzierten PlantaVet®-Präparate wählen. Bei allergischer Rhinitis bietet sich der Einsatz von Membrana nasalium comp. PlantaVet an. Bei der Tracheitis der Katze ist an Larynx/Apis comp. PlantaVet und an Bronchi comp. PlantaVet zu denken. Die Lungenfibrose der Hunde, das Feline Asthma und auch die Feline chronische Bronchitis sprechen vielfach gut auf Pulmo/Stibium comp. PlantaVet an. Die für Pferde und Rinder zugelassenen 10 ml Ampullen können für Kleintiere umgewidmet werden. Je nach Ausprägung der Krankheit natürlich mit entsprechenden Ergänzungen.
Inhalierte Ätherisch-Öle fördern die Durchblutung und damit jegliche Funktionen des Atemwegsepithels. Aufgrund ihrer Lipophilität gelangen sie auch bei oraler Aufnahme in viele Kompartimente des Organismus und werden u.a. über die Atemwege wieder ausgeschieden. Ein anschauliches Beispiel dafür ist die Knoblauchfahne nach einer deftigen knoblauchgewürzten Speise. Thymian ist reich an Ätherisch-Öl und seit Jahren Bestandteil von CaniPulmin®, das nicht nur bei infektiösen Erkältungskrankheiten Einsatz findet. Unterstützend können bei Atemwegsproblemen wiederholt einige Pumpstöße vom RevivoVet® Spray in die Hand gegeben und ventral am Kinn und Hals betroffener Tiere abgestrichen werden. RevivoVet® Spray ist eine Ätherisch-Öl-Mischung bestehend unter anderem aus Fenchelöl, Melissenöl und Nelkenöl.
Alle die genannten Maßnahmen und Stellschrauben der Therapie sind hilfreich und führen in vielen Fällen zu deutlichen Besserungen. Zur Verminderung einer überwiegenden TH-2 Antwort im Sinne einer Allergie kann ergänzend auch an Iscucin-Mistelpräparate (Wala) gedacht werden, die in der Tumortherapie Einsatz finden und hier zu einer deutlich verbesserten TH-1 Antwort führen.
Vor der medikamentösen Therapie müssen über eine ausführliche Anamnese und Umfeld-Analyse mögliche Ursachen von allergischen oder chronischen Atemwegserkrankungen eruiert und soweit möglich abgestellt werden. Chronisches oder rezidivierendes Husten, Niesen und Röcheln kann z.B. durch eine schimmelbelastete Wohnung oder durch Rauchen innerhalb der Wohnung ausgelöst und unterhalten werden. In solchen Fällen erreichen wir mit noch so ausgefeilten Therapien maximal Linderungen, aber niemals Heilungen.
Weitere Produktinformationen finden Sie hier: Atemwege Heim- und Kleintier | Atemwege Pferd
Literatur
• Heinrichsen M.A. Nitroproteine lösen Allergien aus https://idw-online.de/de/news101250
• Batthyány, Carlos et al. “Tyrosine-Nitrated Proteins: Proteomic and Bioanalytical Aspects.” Antioxidants & redox signaling vol. 26,7 (2017): 313-328. doi:10.1089/ars.2016.6787
• Bach JF. The effect of infections on susceptibility to autoimmune and allergic diseases. N Engl J Med. 2002;347(12):911–920. doi: 10.1056/NEJMra020100
• Scudellari, Megan. “News Feature: Cleaning up the hygiene hypothesis.” Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America vol. 114,7 (2017): 1433-1436. doi:10.1073/pnas.1700688114
• Lyons-Weiler, James, and Paul Thomas. “Relative Incidence of Office Visits and Cumulative Rates of Billed Diagnoses Along the Axis of Vaccination.” International journal of environmental research and public health vol. 17,22 8674. 22 Nov. 2020, doi:10.3390/ijerph17228674
• Lyons-Weiler, James, and Paul Thomas. “Correction: Lyons-Weiler, J., et al. Relative Incidence of Office Visits and Cumulative Rates of Billed Diagnoses along the Axis of Vaccination. Int. J. Environ. Res. Public Health 2020, 17, 8674.” International journal of environmental research and public health vol. 18,3 936. 22 Jan. 2021, doi:10.3390/ijerph18030936
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